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Rezeption anderer Philosophien

Echte Philosophie und Philosophiegeschichte eignete sich Nietzsche niemals systematisch an. Sein Wissen bezog er vornehmlich aus Sekundärliteratur, namentlich Diogenes Laertius zu den antiken Philosophen und Friedrich Albert Langes Geschichte des Materialismus sowie Kuno Fischers Geschichte der neuern Philosophie zu späteren Autoren. Platon und Aristoteles waren ihm aus der Philologie bekannt und auch Gegenstand einiger seiner philologischen Vorlesungen, aber besonders letzteren kannte er nur lückenhaft. Mit den Vorsokratikern befasste er sich zu Anfang der 1870er intensiv, vor allem auf Heraklit kam er noch später zurück. Aus Schule und Studium kannte er die Schriften von Homer, Hesiod und Thukydides.

Für die Ethica Spinozas, die Nietzsche zeitweise anregte, war Fischers Werk die Hauptquelle. Kant war ihm ebenfalls durch Fischer (und Schopenhauer, s. unten) bekannt, im Original las er womöglich nur die Kritik der Urteilskraft. Zum deutschen Idealismus um Hegel übernahm er für einige Zeit die scharfe Kritik Schopenhauers, später ignorierte er die Richtung; um eigene Lektüre bemühte er sich offenbar nicht. Vereinzelt ist aufgefallen, dass sich zu Marx in Nietzsches Werk keine einzige Spur finden lässt, obwohl er einerseits mit den Junghegelianern in verschiedener Weise vertraut war, andererseits auch über den politischen Sozialismus Bemerkungen machte.

Ab Mitte der 1860er übten die Werke Arthur Schopenhauers großen Einfluss auf Nietzsche aus; dabei bewunderte Nietzsche aber schon zu Beginn weniger den Kern der Schopenhauerschen Lehre als die Person und den „Typus“ Schopenhauer, den wahrheitssuchenden und „unzeitgemäßen“ Philosophen. Eine weitere wesentliche Inspiration war dann die Musik Wagners. Die Schriften Richard Wagner in Bayreuth (4. Unzeitgemäße Betrachtung) und vor allem die Geburt der Tragödie feiern dessen Musikdrama als Überwindung des Nihilismus ebenso wie eines platten Rationalismus. Diese Verehrung schlug spätestens 1879 nach Wagners Hinwendung zum Christentum (in Parsifal) in die bereits erwähnte Feindschaft um. Über die Gründe für diese Wandlung legt Nietzsche vor allem im Fall Wagner und Nietzsche contra Wagner Rechenschaft ab. Auch Schopenhauer sah er nun kritischer und meinte, gerade in dessen Pessimismus und Nihilismus ein ganz zeittypisches Phänomen zu sehen.

Weitere von Nietzsche rezipierte Quellen waren die französischen Moralisten wie La Rochefoucauld, Montaigne, Vauvenargues, Chamfort, Voltaire und Stendhal. Die Lektüre Pascals vermittelte ihm einige neue Einsichten zum Christentum.

Hin und wieder setzte sich Nietzsche polemisch mit den seinerzeit populären Philosophien Eugen Dührings, Eduard von Hartmanns und Herbert Spencers auseinander. Vor allem von letzterem und den deutschen Vertretern der Evolutionstheorie um Ernst Haeckel zog er sein Wissen um die Lehren Charles Darwins.

Einige Nietzsche-Forscher vermuten einen großen Einfluss von Max Stirners Werk Der Einzige und sein Eigentum, andere bestreiten dies vehement (siehe Weblinks).

Vereinzelt ist in der Nietzsche-Forschung darauf hingewiesen worden, dass Nietzsches Kritik an anderen Philosophien und Lehren auf Missverständnissen beruhe, eben weil er sie nur durch entstellende Sekundärliteratur kannte. Dies betrifft insbesondere Nietzsches Aussagen zu Kant und der Evolutionslehre. Auch dieses Thema ist aber umstritten.

 (Quelle: Wikipedia)

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