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Einflüsse von Nietzsche

Einflüsse

Aus seiner Jugend im Pfarrhaus und im kleinbürgerlich-frommen „Frauenhaushalt“ ergaben sich Nietzsches erste praktische Erfahrungen mit dem Christentum. Schon sehr bald entwickelte er hier einen kritischen Standpunkt; so las er früh Schriften von Ludwig Feuerbach und David Friedrich Strauß. Wie früh diese Entfremdung von der Familie begann und wieviel Einfluss sie auf Nietzsches weiteren Denk- und Lebensweg hatte, ist Gegenstand einer andauernden Debatte in der Nietzsche-Forschung. Auch der frühe Tod des Vaters dürfte Nietzsche beeinflusst haben, jedenfalls wies er selbst oft auf dessen Bedeutung für ihn hin. Dabei ist zu beachten, dass er ihn kaum selbst kannte, sondern sich aus Familienerzählungen ein wohl idealisiertes Bild des Vaters machte. Als freundlicher und beliebter, aber körperlich schwacher und kranker Landpfarrer taucht er in Nietzsches Selbstanalysen immer wieder auf. Schon in seiner Jugend war Nietzsche von den Schriften Ralph Waldo Emersons und Lord Byrons beeindruckt, den seinerzeit tabuisierten Hölderlin erkor er zu seinem Lieblingsdichter. Auch Macchiavellis Werk Der Fürst las er bereits privat in der Schulzeit.

Im Philologiestudium bei Ritschl lernte er neben den klassischen Werken selbst vor allem philologisch-wissenschaftliche Methoden kennen. Dies dürfte einerseits die Methodik seiner Schriften beeinflusst haben, was insbesondere in der Genealogie der Moral deutlich wird, andererseits aber auch sein Bild von der strengen Wissenschaft als mühselige Arbeit für mittelmäßige Geister. Seine eher negative Haltung zum Wissenschaftsbetrieb an den Universitäten gründete zweifellos in eigenen Erfahrungen sowohl als Student als auch als Professor. An der Universität versuchte Nietzsche den hoch geschätzten Jacob Burckhardt zu Gesprächen zu gewinnen, las auch einige von dessen Büchern und hörte sich sogar Vorlesungen des Kollegen an. Mit dem Freund Franz Overbeck hatte er in der Basler Zeit einen regen Gedankenaustausch, auch später half ihm Overbeck in theologischen und kirchengeschichtlichen Fragen oft aus.

Werke bekannter Schriftsteller wie Stendhal, Tolstoi und Dostojewski machte Nietzsche sich für sein eigenes Denken ebenso zunutze wie solche heute eher unbekannter Autoren wie W. E. H. Lecky oder Fachgelehrter wie Julius Wellhausen. Zu seinen Ansichten über die moderne décadence las und bewertete er etwa George Sand, Gustave Flaubert und die Brüder Goncourt. Schließlich lässt sich Nietzsches umfassendes Interesse an Wissenschaften von der Physik (besonders Roger Joseph Boscovichs System) bis zur Nationalökonomie belegen.

Frühe Rezeption und das Nietzsche-Archiv

Erst nach Beginn seiner geistigen Umnachtung begannen sich Nietzsches Zeitgenossen für den bis dahin praktisch unbekannten Denker zu interessieren. Als erster Entdecker Nietzsches gilt Georg Brandes, der im Frühjahr 1888 an der Universität Kopenhagen eine Vortragsreihe über ihn hielt und noch bis zu Nietzsches Zusammenbruch in brieflichem Kontakt mit ihm blieb. Sein fulminanter Stil wirkte dann, etwa gleichlaufend mit der Jugendbewegung, weit in die deutsche Intelligenz hinein und kann schon von daher bis in die 1930er Jahre gar nicht überschätzt werden. Die nach dem geistigen Zusammenbruch rasch anwachsende Rezeption wurde bald durch Elisabeth Förster-Nietzsche und das von ihr 1894 in Naumburg gegründete (ab 1897 in Weimar befindliche) Nietzsche-Archiv bestimmt. Nietzsches Schwester hing nationalistischen, rassistischen und völkischen Ideen an, die ihr Bruder stets abgelehnt hatte. Sie verfügte über die Gesamtausgabe, schrieb eine „offizielle“ Biographie mit einer Deutung des Werks in ihrem Sinne und gab das angebliche „Hauptwerk“ Der Wille zur Macht (siehe Nietzsche-Rezeption im Nationalsozialismus) sowie Nietzsches Briefwechsel heraus. Insbesondere in letzterem konnten später Fälschungen, Auslassungen und Hinzufügungen durch Elisabeth Förster-Nietzsche nachgewiesen werden. Im Umkreis dieser ersten Nietzsche-Rezeption sind etwa Harry Graf Kessler, Rudolf Steiner und Julius Langbehn zu finden. Sie und Förster-Nietzsche lasen aus Nietzsches Werk vor allem einen kulturpessimistischen Ansatz. Von Elisabeth Förster-Nietzsche und ihrem Nietzsche-Archiv darin bestärkt, legten völkische Kreise das Werk des Philosophen im deutschnationalen, teilweise sogar antisemitischem Sinne aus, obwohl Nietzsche in seiner Auseinandersetzung mit Richard Wagner seinen gegenteiligen Standpunkt in dieser Frage unmissverständlich dokumentiert hatte. Redensartlich hatte im Ersten Weltkrieg „jeder deutsche Soldat den Zarathustra im Tornister“ (wobei man in der Sache die Abiturienten mit dem ganzen Feldheer ineins setzte).

Gegenteilige Interpretationen, etwa ein 1894 erschienenes Buch Lou Andreas-Salomés, wurden vom Archiv und Elisabeth Förster-Nietzsche öffentlich heftig attackiert. Franz Overbeck weigerte sich, mit dem Archiv zusammenzuarbeiten, und zog so ebenfalls Schmähungen der Förster-Nietzsche auf sich; sein Schüler und Nachlassherausgeber Carl Albrecht Bernoulli, der für das Archiv unangenehme Schriftstücke publizierte, wurde von ihr mehrfach verklagt. Overbecks und Bernoullis „Basler Interpretation“ wird heute allgemein als treffender als die „Weimarer Interpretation“ angesehen. Ehemalige Mitarbeiter des Archivs berichteten schon vor dem Ersten Weltkrieg von den fragwürdigen Editionsmethoden der Förster-Nietzsche. Erneute Kritik daran findet sich in den 1920ern beispielsweise bei Kurt Tucholsky, auf wissenschaftlicher Basis dann bei Erich Podach. Auch bei einer 1933 begonnenen „historisch-kritischen“ Ausgabe waren die Mitarbeiter und regimenahen Berater des Archivs teilweise nicht willens, teilweise nicht fähig, diesen Mangel zu beseitigen. 1942 wurde die Ausgabe kriegsbedingt abgebrochen.

Vielfältige Wirkung

Dennoch war die Nietzsche-Rezeption zu Beginn des 20. Jahrhunderts vielfältig. Von der poetischen Sprache in Also sprach Zarathustra waren von Anfang an vor allem Künstler tief beeindruckt; sehr bekannt ist Richard Strauss' gleichnamige Komposition. Weitere Bewunderer Nietzsches waren Hans Olde, Henry van de Velde und Edvard Munch; in der Literatur übte er einen großen Einfluss unter anderem auf Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Heinrich Mann, Thomas Mann, Hermann Hesse, Gottfried Benn, Gabriele D'Annunzio und Georges Bataille aus. Insbesondere galt Nietzsche als Wegbereiter der Expressionisten.

Darüber hinaus wirkten Teile der Philosophie Nietzsches auf viele Geistes- und Sozialwissenschaftler, so zum Beispiel in der Philosophie auf Martin Heidegger, Karl Jaspers, Karl Löwith und Theodor Lessing, in der Soziologie auf Ferdinand Tönnies (der sich freilich schon 1897 gegen den „Nietzsche-Kultus“ wandte) und Max Weber, in der Geschichtstheorie auf Oswald Spengler und in der Tiefenpsychologie (Psychoanalyse) auf Sigmund Freud – der sich angeblich das weitere Lesen von Nietzsches Büchern verbot, um die darin enthaltenen Erkenntnisse selbst zu gewinnen, und über Nietzsche sagte, er habe eine größere Selbsterkenntnis gehabt, als je ein Mensch vor oder nach ihm – und Carl Gustav Jung. Auch die kritische Theorie um Theodor W. Adorno und Max Horkheimer interpretierte Teile von Nietzsches Werk.

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 (Quelle: Wikipedia)

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