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Die Oper

Als Oper (von ital. opera in musica, „musikalisches Werk“) bezeichnet man seit etwa 1650 eine musikalische Gattung des Theaters, in der eine szenisch-dramatische Handlung durch Musik gestaltet wird. Hierbei wird vor allem die Musik zum Träger der Handlung, der Stimmung und der Gefühle – im Gegensatz zur simultanen Untermalung eines Sprechstücks mit Musik (Melodram) oder der einlagenartigen musikalischen Auflockerung einer Handlung (Singspiel, Bühnenmusik). Allerdings findet sich die Form des Melodrams auch als Bestandteil in der Oper wieder: zum Beispiel in Mozarts Idomeneo, in Webers Der Freischütz (in der Wolfschluchtszene) und in Humperdincks Königskinder.

Die Vielfalt der zusammenwirkenden Künste schafft viele Möglichkeiten für eine Oper, Gestalt anzunehmen, lässt aber auch Widersprüche entstehen. Die Musikgeschichte kennt daher viele unterschiedliche Ausprägungen der Oper. Als „Oper“ bezeichnet man auch das Opernhaus (die Aufführungsstätte) oder die aufführende Kompagnie.

Sprache der Aufführungen

Bis zur Mitte der 1960er Jahre wurden Opern zumeist in der jeweiligen Landessprache des Aufführungsortes aufgeführt. So wurden Verdi-Opern in Deutschland in deutscher Sprache und Wagner-Opern in Italien in italienischer Sprache gesungen, wie auch Radio- und Fernsehaufzeichnungen belegen. Bereits zuvor gab es jedoch Theater, die Opern in der jeweiligen Originalsprache aufführten, etwa die Metropolitan Opera in New York. Auch die Salzburger Festspiele zeigten Opern stets ausschließlich in der Originalsprache. Aufgrund eines Vertrages mit der Mailänder Scala, bei dem sich italienische Sänger verpflichteten, auch an der Wiener Staatsoper zu singen, führte Herbert von Karajan 1956 an der Wiener Staatsoper das Prinzip ein, Opern in der Originalsprache aufzuführen. Mit seiner Begründung, die Einheit von Wort und Musik gehe bei Übersetzungen in eine andere Sprache verloren, wurden Opern allmählich immer mehr in ihrer ursprünglichen Form aufgeführt. Auch der Schallplatten und Sänger-Markt, der sich zunehmend internationalisierte, trug entscheidend zu dieser Entwicklung bei. In der DDR gab es hingegen weiterhin eine große Tradition von Übersetzungen, jedoch wurde mit neuen Übertragungen (z. B. Walter Felsenstein, Siegfried Schoenbohm) versucht, den Inhalt des Originals genauer, sprachlich gelungener und vor allem musikalisch passender umzusetzen. Heute werden in fast allen großen Opernhäusern Opern in der Originalsprache aufgeführt und dazu simultan Übertitel eingeblendet, ein Verfahren, das durchaus umstritten ist: Der Zuschauer muss sich entscheiden, ob er die Inszenierung auf der Bühne verfolgen oder die darüber eingeblendeten Titel lesen möchte, beides zugleich ist nahezu unmöglich. An vielen kleineren Theatern, vor allem im Osten Deutschlands, gibt es noch Aufführungen in deutscher Sprache. Auch gibt es in einigen Städten (z. B. Berlin, München, Wien) mehrere Opernhäuser, von denen eines Opern in Übersetzungen aufführt, wie etwa die Komische Oper Berlin oder das Staatstheater am Gärtnerplatz in München. Hin und wieder gibt es auch eine autorisierte Übersetzung (wie im Falle der Opern Leoš Janáceks, deren deutscher Text von Janáceks Freund Max Brod stammt, so dass auch der deutsche Text als original gelten darf). Schwierig gestaltet sich die Aufführung in Originalsprache auch immer dann, wenn Dialoge in dem Werk vorkommen. Hier gibt es auch Mischformen, das heißt gesprochene Texte werden übersetzt, gesungene erklingen jedoch in Originalsprache. Im Bereich Singspiel, Operette, Musical ist daher die übersetzte Musiktheateraufführung weit verbreitet.

Entstehung der Oper

Die Oper im heutigen Sinn entstand Ende des 16. Jahrhunderts in Florenz. Die Florentiner Camerata, in der die Oper entstand, war ein akademischer Gesprächskreis, in dem sich Dichter (z. B. Ottavio Rinuccini), Musiker, Philosophen, Adlige und ein Kunstmäzen – zunächst übernahm Graf Bardi diese Rolle, später Graf Corsi – zusammen fanden. Diese Humanisten versuchten, das antike Drama wiederzubeleben, in dem Gesangssolisten, Chor und Orchester beteiligt waren. Nach den Pastoraldramen des 16. Jahrhunderts wurde das Libretto gestaltet und mit den musikalischen Mitteln der Zeit in Musik gesetzt. Vincenzo Galilei gehörte ebenfalls dieser Gruppe an. Er entdeckte Hymnen des Mesomedes, die heute verloren sind, und schrieb ein Traktat gegen die niederländische Polyphonie – einer der deutlichsten Beweise für den gewünschten musikalischen Stil.

Das verständliche Wort war für die Florentiner Camerata in der Vokalmusik das wichtigste. Eine klare, einfache Gesangslinie wurde zum Ideal erklärt, der sich die sparsame Generalbass-Begleitung mit wenigen und leisen Instrumenten – Laute, Cembalo – unterzuordnen hatte. Großartig ausformulierte melodische Ideen waren allerdings ebenso unerwünscht, um den Inhalt des Wortes nicht mit zu viel Gesang zu verschleiern. Man sprach sogar von einer „nobile sprezzatura del canto“, einer sogenannten „noblen Verachtung des Gesangs“. Diese Art des Singens nannte man recitar cantando, rezitierenden Gesang. Die außerordentliche Schlichtheit und Beschränkung des recitar cantando ist somit als ein Gegensatz zur vorherrschenden Polyphonie zu sehen, die mit ihren komplexen Ton- und Textschichtungen den Inhalt der Werke vollends verschleiern konnte. Mit der Monodie sollte das Wort wieder zu seinem vollen Recht kommen. Neu an dieser Art zu singen war, dass durch die Worte direkte subjektive Gefühle, sog. Affekte, transportiert werden konnten. Zur Monodie der einzelnen Stimme wurden Chöre in Madrigalform oder als Motette gesellt. Das Orchester spielte kleine Ritornelle und Tänze. Als erstes Werk der Gattung Oper gilt „La Dafne“ von Jacopo Peri (1597) auf einen Text von Rinuccini, von dem bis auf ein paar Fragmente kein Notentext erhalten geblieben ist. Weitere wichtige Werke aus der Anfangszeit der Oper sind „L’Euridice“ von Jacopo Peri (1600) als älteste erhaltene Oper sowie „Euridice“ (1602) und „Il Rapimento di Cefalo“ von Giulio Caccini. Stoffe der frühen Opern entnahm man den Pastoralen (Schäferspielen) und vor allem der griechischen Mythologie. Wunder, Zauber und Überraschungen wurden zu beliebten Bestandteilen einer Oper.

Besondere Bedeutung hat Claudio Monteverdis erste Oper „L’Orfeo“ (1607). Sie wurde anlässlich des Geburtstages von Francesco IV. Gonzaga am 24. Februar 1607 in Mantua uraufgeführt und ist die früheste erhalten gebliebene Opernpartitur. Hier sind im Vergleich zu seinen Vorgängern erstmals eine reichere Instrumentation (wenngleich diese in der Partitur meist nur angedeutet ist), ausgebautere Harmonik, tonmalerisch-psychologische und bildhafte Ausdeutung von Wort und Figuren sowie eine personencharakterisierende Auswahl der Instrumente zu hören. Posaunen werden zum Beispiel für die Unterwelt und Todesszenen eingesetzt, Streicher bei Schlafszenen, für die Hauptfigur Orfeo kommt die Holzorgel zum Einsatz. Monteverdi verbreitert die Einstimmigkeit des recitar cantando zu einem arienhafteren Stil um. Auch die Chöre erhalten größeres Gewicht. Zwar nimmt seine persönliche Entwicklung im „Orfeo“ erst ihren Anfang, seine Spätwerke „Il ritorno d’Ulisse in patria“ (1640) und „L’incoronazione di Poppea“ (1643) stellen aber in Hinblick auf die Musikdramatik Höhepunkte der gesamten Opernentwicklung dar. In letzterer Oper findet man immer noch die Einleitung durch drei allegorische Figuren, in der Fortuna (Das Glück) Virtù (Die Tugend) verspottet, die restliche Handlung bleibt aber in der irdischen Welt um den Kaiser Nero, seine ungeliebte Gattin Ottavia und die Gattin des Prätors Ottone – Poppea, die zum Schluss der Oper Neros Gattin und Kaiserin wird.

Hier verwendet Monteverdi auch im Gesang stark charakterisierende, plakative Musik. Kaiser Nero, durch einen Kastraten dargestellt, wird mit virtuoser Musik und brutalem Charakter gezeichnet, Ottone weich, Neros Lehrer und Berater Seneca bekommt die würdige Bassstimme zugewiesen. Die Trennung zwischen Adel und Volk vollzog sich auch in den musikalischen Formen der Oper: Belcanto-Gesang und Koloraturreichtum wurde für den Adel und Göttergestalten gebraucht, übrige Personen hatten sich mit schmuckloseren Ariosi und Liedern zu begnügen.

Oper vs. Schauspiel

Die Oper unterscheidet sich von Formen des Sprechtheaters bzw. Schauspiels, in denen der Musik eine weniger zentrale Gestaltungsrolle zukommt als in der Oper. Grenzformen bestanden schon im Barock mit den Genres der Masque bzw. Ballad Opera. Zwischen Oper und Schauspiel steht beispielsweise das Singspiel. Die Singspiele Mozarts werden der Oper zugerechnet, diejenigen Nestroys gelten als Schauspiele. Auf der Grenze bewegen sich z. B. auch die Werke Weills, dessen Dreigroschenoper dem Schauspiel näher steht, während Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny eine Oper ist. Sich dem Schauspiel völlig unterordnende Musik bezeichnet man als Schauspielmusik.

Oper vs. Tanzoper

Ein Überschneidungsbereich mit dem Tanztheater bzw. Ballett findet sich zum Beispiel in der Ballettoper des französischen Barock, aber auch in neoklassizistischen Werken des 20. Jahrhunderts, beispielsweise bei Igor Strawinski. Dies sind in der Regel Werke, in denen der Tanz das Ausdrucksgeschehen stärker dominiert als gesungene Passagen.

Oper vs. Operette/Musical

Das Genre der Operette und verwandter Formen wie der Zarzuela grenzt sich als Weiterentwicklung aus dem Singspiel durch die gesprochenen Dialoge, aber auch durch dessen vorherrschenden Unterhaltungsanspruch und das vorrangige Bemühen um Popularität oder kommerziellen Erfolg von der ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend durchkomponierten Oper ab. Diese Abgrenzung entstand erst im ausgehenden 19. Jahrhundert: Als die „komische Oper“ vom „niederen“ zum „hohen“ Genre geworden war, bildete sich die Operette als neues „niederes“ Genre. Ähnliches gilt für das Musical, die Weiterentwicklung des populären Musiktheaters in den Vereinigten Staaten. Operette und Musical sind gleichwohl nicht in geringerem Maße Kunstformen als die der Oper.

Nummernoper

Von der Barockzeit bis in die Romantik hinein ist die Oper eine Aneinanderreihung verschiedener, aber in sich geschlossener Musikstücke (Nummernoper), die durch Rezitative oder (im Singspiel) gesprochene Dialoge miteinander verbunden werden und eine durchgängige Handlung darstellen. Wie auch im Schauspiel kann eine Oper in Akte, in Bilder, in Szenen bzw. Auftritte gegliedert sein. Die musikalischen Bestandteile der Oper sind vielfältig zusammengesetzt, haben aber nicht alle die gleiche Gewichtung. In jeder Oper werden sie, der Handlung oder den Absichten des Komponisten entsprechend, in unterschiedlichem Ausmaß eingesetzt.

Durchkomponierte symphonische Großform

Während des 19. Jahrhunderts begannen die Komponisten, allmählich die Abfolge von Dialog oder Rezitativ und geschlossenen Nummern weniger strikt zu verfolgen. Um 1825 verschwand das Secco-Rezitativ, an seine Stelle trat zunächst in der italienischen Literatur das Prinzip von Scena ed Aria, das bereits bei Giuseppe Verdi die Akte zu einem größeren musikalischen Ganzen formte. Richard Wagner schuf ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Form, die die musikalische Nummernstruktur wieder vollends aufgab und in der sich Musik und Dichtung zu einem durchkomponierten sinfonischen Ganzen verbinden. Für Wagners Opern hat sich der Begriff Musikdrama geprägt, das Stichwort „Unendliche Melodie“ steht für das kontinuierliche Fortschreiten der musikalischen und emotionalen Entwicklung im Werk. Seine Oper „Tristan und Isolde“ bezeichnete Wagner dementsprechend als Handlung in Musik, was an die ursprünglichen Opernbegriffe „favola in musica“, oder „dramma per musica“ erinnert. Die durchkomponierte Form wurde im späten 19. Jahrhundert die allgemein bevorzugte (beispielsweise bei Giacomo Puccini oder Jules Massenet;) und war auch das gültige Strukturmodell der frühen Moderne. Die durchkomponierte Oper war im Prinzip für die gesamte Opernproduktion nach Wagner maßgeblich. Erst im 20. Jahrhundert griffen viele Komponisten wieder auf das Nummernprinzip zurück (z. B. Zoltán Kodály, Igor Strawinski oder Kurt Weill). Die Nummernoper lebt außerdem in Operette und Musical weiter. – Auch aus durchkomponierten Opern lassen sich natürlich einzelne in sich abgeschlossene Teile wiederum als „Nummer“ aus dem Ganzen herauslösen und z. B. in Konzerten als Arie aufführen.

Vorgeschichte

Bereits im antiken griechischen Theater verband man szenische Aktion mit Musik. Der Chor hatte hierbei eine tragende Rolle: Chorgesang wurde einerseits zu den pantomimischen Tänzen herangezogen, welche das Theaterstück in verschiedene Teile gliederten; andererseits hatte der Chor auch die Aufgabe, die Handlung kommentierend zu begleiten (z. B. „Antigone“, Sophokles). Es ist nicht bekannt, ob die Römer diese Tradition übernommen hatten. Mit der Zerstörung der römischen Theater im 6. Jahrhundert sind Aussagen hierüber nicht mehr zu belegen – das gilt auch für alle anderen Aktivitäten, die das Theater betreffen. Im Mittelalter wurde die Tradition von musikbegleiteter Handlung fortgesetzt. Geistliche Themen wurden herangezogen, um dem einfachen Volk die Aussage der Bibel anschaulicher zu machen. Ganze Teile eines Gottesdienstes wurden mit den Mitteln des Theaters dargestellt. Beliebtes Thema war dabei die Geburt oder Auferstehung Christi. Dabei wurde durch das ganze Stück hindurch gesungen. Bei Bedarf, wenn es das Stück verlangte, wurden auch Instrumente eingesetzt. Daraus entstanden die auch außerhalb der Kirche aufgeführten Mysterienspiele. Weltliche Stücke, wie z. B. kurze Komödien, wurden in einigen Szenen nur teilweise mit Musikeinlagen unterstützt. Adam de la Halles melodienreiches Stück „Jeu de Robin and Marion“, das um 1280 geschrieben wurde, bildet hier eine Ausnahme.

Auch in Intermedien, Tanzspielen, Masken- und Triumphaufzügen der italienischen Renaissance findet man die Verbindung von Szene und Musik.Intermedien unterhielten das Publikum zwischen den Akten eines Schauspiels. Sie hatten thematisch nichts mit der übrigen Handlung zu tun, verwendeten oft allegorische Elemente oder Persönlichkeiten, und wurden ebenso musikalisch untermalt bzw. durch Madrigale und Tänze aufgelockert. Ein abendfüllendes Werk konnte mehrere Intermedien haben. Bühnenbild und Personenführung waren oft streng symmetrisch. Ausstattung und Kostüme waren äußerst prachtvoll und kamen somit dem barocken Schönheitsideal entgegen. Der Königshof in Frankreich unterhielt seit 1581 ein Ballet de cour und ein Comédie-ballet, das für die weitere Entwicklung der Oper in Frankreich von Bedeutung sein sollte. Der früheste dokumentierte Versuch in Deutschland, eine dramatische Handlung mit singenden Protagonisten und Musik in einem Bühnenbild aufzuführen, ist die Aufführung von Orpheus und Amphion auf einer Simultanbühne anlässlich der Jülichschen Hochzeit von Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg mit Markgräfin Jakobe von Baden in Düsseldorf 1585. Als möglicher Komponist der nicht überlieferten Musik wird Andrea Gabrieli genannt. Die Musik sei so schön gewesen, „daß es denselben / so dazumahl nit zugegen gewesen / und solchen Musicum concentum & Symphoniam gehört haben / onmüglich zu glauben.“ Die Handlung war freilich primär eine Allegorese im Sinne eines Fürstenspiegels.

Aufführungspraxis der Oper

Die große Menge an Werken macht es Theatern und Opernhäusern nicht einfach, eine Auswahl zu treffen, die einem hohen Anspruch genügt und auch genügend Publikum findet. Nach und nach hat sich ein praxiserprobter, mehr oder weniger enger Kanon an Opern herausgebildet, die zur Aufführung kommen. Entsprechend hat sich das Interesse vor allem des Feuilletons von den vielfach sattsam bekannten Werken hin zu deren Interpretation verlagert, wobei vor allem die Inszenierung in den Vordergrund rückt. Das Publikum verbindet seine Lieblingsopern oft mit bestimmten Traditionen, die zum Teil auch in Konventionen erstarrt sind, und reagiert auf radikale Deutungsansätze (Regietheater) kontrovers.

Quelle Wikipedia 2008

Komponister der klassischen Oper
   
Büste Charles Francois Gounod
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