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Datierung der Epen

Datierung der Epen

Während die einen von einer Entstehungszeit von ca. 850–800 v. Chr. ausgehen, nehmen andere einen etwa hundert Jahre jüngeren Zeitpunkt (ca. 750–700 v. Chr.) dafür an und andere Wissenschaftler vermuten den Entstehungszeitpunkt im 12. Jahrhundert v. Chr. (z. B. Próf. Wilhelm Dörpfelder).

Um die homerischen Epen zeitlich einzuordnen, bedient man sich mehrerer Vergleiche.

Zum einen wird das Verhältnis zur Hesiodischen Epik herangezogen, die im 7. Jahrhundert v. Chr. entstand.

Weiterhin gibt es Anspielungen auf den Nestorbecher (730-720 v. Chr.), die auf Partien in der Ilias zu weisen scheinen. Hinzu kommt das historische Umfeld in der 2. Hälfte des 8. Jahrhundert. Dieses war für die Entstehung der Epen sehr wichtig, da ab dem 7. Jahrhundert die dargestellte unangefochtene Adelskultur nicht mehr bestand. Ein weiterer Hinweis sind Partien in der Ilias, die auf Ereignisse im 7. Jahrhundert zu verweisen scheinen. Viele Angaben in den Epen deuten auf eine Zeit vor der dorischen Wanderung (Angaben über Kleidung, Waffen, Behausung und geopolit. Verhältnisse) hin und bringen die Datierung ins 12 Jahrhundert v. Chr.

All diese Hinweise sind jedoch nicht eindeutig. So setzt der Nestorbecher die Ilias nicht zwingend voraus, und Hesiod wird bisweilen vor Homer datiert. Des weiteren lassen sich die Partien in der Ilias auch anders beurteilen, und Literatur kann auch anachronistisch sein, weshalb eine Datierung aufgrund historischer Ereignisse sehr schwerfällt. Doch sprechen die Indizien hauptsächlich für die 2. Hälfte des 8. Jahrhundert v. Chr.

Beginnend 800 v. Chr. werden in den Schriften Homers unter anderem erstmals auch von Kriegsverletzungen mit genauen Angaben zur Blutstillung und Wund-Therapie und auch die Pflege Verwundeter beschrieben. Sie sind die ältesten literarischen Zeugnisse der frühen griechischen Heilverfahren.

Der Princeton-Psychologe Julian Jaynes (1920–1997) hat in seinem seinerzeit Aufsehen erregenden Buch The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind die Andersartigkeit der in der Ilias geschilderten Menschen, die in Entscheidungssituationen von Göttern bzw. göttlichen Stimmen gesagt bekommen, was zu tun sei, im Vergleich zur Figur des Odysseus in seiner dem gegenüber auffälligen „Eigenständigkeit und Selbstbewusstheit“ zum Ausgangspunkt einer weit ausholenden psychohistorischen Studie über den „Ursprung des Bewusstseins“ gemacht. Die Erlebnisweise der Helden von Troja interpretiert er dort (im Zusammenhang mit vielen anderen literaturhistorischen und archäologischen Hinweisen) auf ein gleichartiges Erleben in den vorangegangenen Jahrtausenden hin, als einen Ausdruck einer vorbewussten oder präreflexiven – aufgrund einiger neurophysiologischer Überlegungen von ihm „bikameral“ genannten – Bewusstseinsstrukur, die dem heutigen Bewusstsein mit seiner ausgeprägen Reflexionsfähigkeit unmittelbar vorausgegangen sei und noch vor 3000–4000 Jahren weithin vorgeherrscht habe.

Urheberschaft: Die „Homerische Frage“

Die literaturwissenschaftliche Frage nach der Urheberschaft Homers wird die Homerische Frage genannt. Hauptsächlich geht es dabei um die Frage, ob Homer tatsächlich Verfasser nur der Ilias oder überhaupt der beiden Epen gewesen sei oder ob unter dem Namen „Homer“ verschiedene Dichter zusammengefasst worden seien, die ältere, mündlich überlieferte Sagen verschriftlicht kompiliert hätten.

Ein weiterer Aspekt der „Homerischen Frage“ ist die Datierung der beiden Epen: Hätte die deutlich jüngere Odyssee überhaupt noch während der Lebenszeit des Ilias-Autors geschrieben sein können? Teils wird hier jedoch davon ausgegangen, die Ilias sei ein Jugend- und die Odyssee ein Alterswerk Homers.

Literaturwissenschaftliche stilistische Analysen neigen heute aufgrund der hohen kompositorischen Kunst und durchgehenden sprachlichen Qualität beider Epen wiederum dazu, wie die antiken Autoren auf einen gemeinsamen Verfasser („Homer“) als wahrscheinlich zu folgern.

Quelle Wikipedia 2006

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